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Diese Textsorte landet seit etwa anderthalb Jahren regelmäßig auf meinem Schreibtisch: Blogbeiträge meiner Unternehmenskunden aus der IT-Branche.

Das Motiv dahinter: Das sogenannte „Corporate Blog“ ist ein wichtiges Instrument für die Online-Kommunikation. Die Firmen können so direkt mit Kunden Kontakt aufnehmen und mit ihnen beispielsweise über die Kommentarfunktion kommunizieren. Unternehmensblogs lassen sich sogar in mehrere Bereiche unterteilen. Die wichtigsten sind:

  • Produkt- bzw. Marken-Blogs: Die Beiträge drehen sich hier hauptsächlich um die Produkte oder Dienstleistungen des Unternehmens und sollen das Produktimage und die Marke stärken. Ziel ist es, Kunden enger an sich zu binden und neue Kunden zu gewinnen.
  • Service-Blogs: Mit einem Service-Blog möchte das Unternehmen einen Mehrwert über einen zusätzlichen Kundendienst anbieten. Kunden erhalten nicht nur Lösungen für bekannte Probleme, sondern bekommen auch hilfreiche Informationen, um ein Produkt noch besser zu nutzen.
  • Unternehmen erzählen Geschichten

    Blogs und soziale Medien sind für IT-Unternehmen und Softwarehäuser ein wichtiger Bestandteil ihres Marketings. Dabei gehen sie ziemlich professionell vor: Ein Redaktionsteam schreibt regelmäßig Artikel mit relevanten Inhalten und spickt diese mit Daten und Fakten zum Unternehmen, zu Produkten, zu aktuellen Trends oder mit wertvollen Tipps und Tricks.

    Und sie beherrschen das Storytelling! Die Blogartikel sind selten trockene, langweilige Fachartikel, sondern spannende Kurzgeschichten, die die Fachinformationen – mal packend, mal witzig, aber immer unterhaltsam – vermitteln. Die Leser, das heißt die bestehenden und potentiellen Kunden, fiebern regelrecht mit und werden gut unterhalten. Wer sich gut unterhalten fühlt, identifiziert sich schneller mit dem Produkt und dem Unternehmen.

    In 5 Schritten zu einem gut übersetzten Blogartikel

    IT-Unternehmen erreichen mit einem mehrsprachigen Blog noch mehr Leser. Hier komme ich ins Spiel, hurra! Meine Aufgabe ist es dann, die englischsprachigen Blogartikel ins Deutsche zu übertragen. Das ist gar nicht so einfach. Denn ich übe quasi den Spagat zwischen technischer Übersetzung und Transkreation.

    Das Übersetzen von Blogartikeln folgt daher ganz anderen Regeln als beispielsweise von technischen Anleitungen. Meine Vorgehensweise in fünf Schritten:

    Schritt 1: Lesen und verdolmetschen

    Als erstes lese ich den Blogartikel ein Mal. Im Anschluss daran wage ich mich an die erste Rohübersetzung. Hier greife ich sehr gern auf die „Verdolmetschung“ zurück. Mit einer Spracherkennungssoftware (wie Dragon NaturallySpeaking) spreche ich – ohne größere Pausen – die erste Rohfassung in deutscher Sprache aufs Papier. Die Verdolmetschung ist für das Storytelling wichtig. Durch das Sprechen bin ich gezwungen, die Geschichte in meiner Muttersprache nachzuerzählen. Von der Einleitung bis zum Schluss, inklusive Spannungsbogen, dramatischen Wendungen und überraschendem Ende.

    Schritt 2: Recherchieren und clustern

    Jetzt mache ich mich daran, alle enthaltenen Fachbegriffe genauer zu recherchieren. Gegebenenfalls muss ich mich dazu in das Thema besser einlesen. Für bestimmte Begriffe, die im Text mehrfach vorkommen, suche ich Synonyme, Redewendungen und passende Bilder. Hierfür lege ich mir – unabhängig vom Original – Wortfelder in Clusterform an.

    Bei häufig verwendeten Wörtern wie „advantage“ denkt man sofort an „Vorteil“. Dabei gibt die deutsche Sprache so viele schöne Begriffe her: Nutzen, positiver Aspekt, Pluspunkt, Volltreffer, Vorsprung, Stärke, Sinn und Zweck, Ass im Ärmel, Wunderwaffe, starke Seite, von etwas profitieren, nutzbringend, überzeugen mit, glänzen mit… und viele mehr.

    Ein Cluster ist eine unsortierte Mindmap. Zu einem Begriff werden alle Ideen notiert, wie Synonyme, Antonyme, Redewendungen usw. So klebt man beim Übersetzen/Überarbeiten weniger an einem einzelnen Begriff. Hier ein Wortfeld für die englischen Begriffe „off-the-peg software“ und „tailored software“. Auf diese Weise findet man schnell verschiedene Formulierungen und Umschreibungen für „Standardsoftware“ und „maßgeschneiderte Software“.

    Schritt 3: Schleifen und polieren

    Nachdem also Fachbegriffe recherchiert und Wortfelder angelegt sind, wird der Text überarbeitet. Ich lese mir jeden einzelnen Satz im Original durch und überarbeite die eingesprochene Übersetzung. Manche Sätze müssen nur leicht korrigiert werden, da sie schon sehr gut klingen. Andere hingegen werden schon mal über den Haufen geworfen und neu formuliert. Wenn ich mit dem Text fertig bin, fange ich von vorn an. Auf diese Weise gehe ich den Text also 2 bis 3 Mal durch.

    Schritt 4: Lesen und lesen lassen

    Nun lasse ich meine Übersetzung erst einmal links liegen. Ich schlafe eine Nacht darüber und am folgenden Tag lese ich mir nur noch die deutsche Fassung durch. Meistens laut vor mich hin. Das Lesen auf Papier folgt danach. Alle Textstellen, die noch nicht flüssig genug sind, werden geändert. Wichtig sind insbesondere eine stimmige Wortwahl, passgenaue Satzanschlüsse, widerspruchsfreie Metaphern und Sprachbilder sowie ein angenehmer Satzrhythmus.

    Schritt 5: Sortieren und verschieben

    Jetzt kommt das Bauchgefühl zum Einsatz: Klingt ein Satz immer noch leicht befremdlich oder komisch, wird er erneut unter die Lupe genommen. Zuguterletzt wird die innere Logik des Artikels insgesamt und Informationsreihenfolge geprüft. Notfalls werden Sätze und Absätze verschoben, Aussagen neu sortiert oder Textteile umgestellt.

    Tipp:

    Gute Quellen sind der Wortschatz der Universität Leipzig, das freie Synonym-Wörterbuch Woxikon und OpenThesaurus. Außerdem ist das Wörterbuch der deutschen Umgangssprache und Lexikon ACADEMIC manchmal Gold wert. Und gelegentlich ist auch das Reimlexikon RHYME unerlässlich![:en]Blog articles are something with which I have had increasing contact over the last 18 months through my corporate customers in the IT industry. They serve a specific purpose: corporate blogging. Corporate blogging has become an important online communication tool. It allows companies to speak directly to customers and promotes bilateral dialogue using features like the comments function. In fact, corporate blogs are now so ubiquitous, they have evolved into several sub-types. The most important being:
    Product/brand blogs: These are mainly about the company’s products and services and are written with the goal of strengthening the image of the product and brand. The idea is to reinforce loyalty among existing customers as well as attract new ones.
    Customer service blogs: Companies use customer service blogs to offer their customers added value over conventional customer service. Customers get answers to known issues as well as helpful information on how to get more out of their product.

    Companies have stories to tell

    For IT businesses and software manufacturers, blogs and social media are important elements of their marketing concepts. As such, they take a very professional approach. An editorial team will regularly write articles on current topics, ensuring a liberal sprinkling of facts and figures on the company, products, current trends or helpful tips and tricks.
    And they’re very good at storytelling. Dry, boring articles are few and far between. Rather, they create exciting short stories that convey specialist information in all manner of ways – they’ll keep you in suspense, they’ll make you laugh, and they’re always a joy to read. The audience, by which I mean existing and potential customers, are completely drawn in and their attention is rewarded with an entertaining story. It’s a sure-fire way to get customers to identify with the product and the company – and fast.

    5 steps to translating blog articles well

    Having a multi-lingual blog can help IT companies to reach even an even greater readership. That’s where I come in – hooray! My job is to translate the English blog articles into German. Easier said than done. It calls for some careful balancing of my technical translator and literary translator caps.
    The translation of blog articles is subject to an entirely different set of rules than, say, technical instruction manuals:

    Step 1: Read and interpret

    I start by reading the entire article through from start to finish. Then, I take a stab at a first rough draft, often adopting a kind of interpretation technique. I use voice recognition software (such as Dragon NaturallySpeaking) to speak into the computer – without any long breaks – to get the first rough version in German onto paper. I find that interpretation is important for the storytelling process. Talking out loud forces me to re-tell the story in my own tongue – from introduction through to conclusion, including the build up of suspense, the dramatic turn of events, and the twist at the end.

    Step 2: Research and cluster

    This is where I start researching the technical terminology in more detail. In some cases, I need to gain a better understanding by reading up on the subject. Where certain terms appear multiple times throughout the text, I search for synonyms, expressions and suitable metaphors. I note these down in word clusters – at this stage with little regard to the original.
    Take a common word like ‚Vorteil‘, for example. The first thought among the German speakers of us is pretty likely to be ‚advantage‘. But there are so many great alternatives to choose from: benefit, positive aspect, pro, bull’s eye, edge, strength, raison d’être, ace up one’s sleeve, silver bullet, strong suit, fruitful, to cash in on, to convince, to shine… and many more.

    A word cluster is an unsorted mind map. All synonyms, antonyms, expressions, etc. relating to a key word or phrase are noted down. It helps the translator to introduce variety into translations and reviews. The image shows German word clusters for the terms ‚off-the-peg software‘ and ‚tailored software‘. Word clusters offer quick access to a range of options and ways of paraphrasing these terms when they crop up in the original text.

    Step 3: Sand and polish

    Once the technical terms have been researched and the word clusters are ready, the text gets reviewed. I read through every single sentence in the original and edit the written version of my spoken translation. Some sentences will sound great and only need a bit of tweaking, while others will be scrapped and completely re-worked. Once I reach the end of the text, I go back to the beginning and start again. It’s not unusual to go through the text two or three times during this step.

    Step 4: Read and be read to

    This is where I put the translation to one side and do something else. I leave it overnight before going back and reading the translated version through once again. Usually out loud. Then on paper. Any bits that don’t flow properly will be re-done. The important part is making sure I’ve used well-balanced wording, that the sentences are linked coherently, that the metaphors and figures of speech work well, and that the sentence structure flows.

    Step 5: Order and re-order

    This is where I rely on my gut feeling. I go back and re-do any sentences that still sound slightly odd or ‚translated‘. Last, but not least, I check the internal logic of the article and the order in which information is presented. If I feel it is necessary, I will move around sentences and paragraphs or reposition parts of the text.

    Reference sources:

    Some good sources include Leipzig University’s corpora collection and the free thesauruses Woxikon and OpenThesaurus. The ACADEMIC dictionary of German words and slang is a great help, and the RHYME dictionary of rhyming terms can be indispensable.

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